Was ist Handarbeit?

Muss man ein wenig verrückt sein, wenn man seine Arbeit mit in den Urlaub nimmt? Vielleicht! Aber es macht mir halt Spaß und ich bekomme neue Ideen, was Farbkombinationen betrifft und manchmal auch zu neuen Produkten.

 

Angefangen hat alles mit zwei Windlichtern, die ich von meiner Freundin geschenkt bekommen habe. Eines habe ich noch, das andere ist leider heruntergefallen. Dies war zwar nicht der Auslöser, doch hat es mich zum Weitermachen gebracht.

Mittlerweile sind es fast 20 Jahre, dass ich dem Mosaiken nachgehe.

In meinem Lädchen höre ich oft: "Ist das alles Handarbeit? Das ist ja eine Menge Arbeit!" 

Und, das ist es tatsächlich. Ich habe ein Muster im Kopf. (Nach Vorlage arbeite ich höchst selten.) Der passende Untergrund muss gefunden werden, die dazugehörigen Steine, Nuggets, Muscheln, etc. Jetzt werden die Steine zugeschnitten und positioniert. Das kann, je nach Größe des Untergrundes, von einer dreiviertel Stunde bis zu 3 Tagen dauern. Damit man sich nicht verzettelt, wird zwischendurch aufgeräumt, die kleinen Steine wieder an ihren Platz gebracht, damit man sie beim nächsten Projekt auch wieder findet.

Nachdem der Kleber getrocknet ist, kann verfugt werden. Nicht gerade meine Lieblingsarbeit, doch mit Musik geht alles besser. Farblich passende Fugenmasse anrühren, ziehen lassen und noch einmal durchrühren. Jetzt darf "gepanscht" werden. Nein, so ist es mittlerweile nicht mehr. Es geht zügig voran, denn Übung macht den Meister. Auch hier ist ein Zeitaufwand, je nach Größe, von 10 Min. bis zu 1 Stunde, zu veranschlagen. Die Fugenmasse wird also aufgetragen, darf ca. 20 Minuten antrocknen und der Überschuss wird entfernt. 

Jedes Produkt wird noch einmal von allen Seiten gegen das Licht gehalten, ob auch wirklich überall Fugenmasse angekommen ist. Evtl. muss noch einmal nachgearbeitet werden. 

Jetzt noch die Ränder. Auch diese sollten so glatt wie möglich sein. Finger befeuchten und noch einmal nacharbeiten. Und, wieder vergeht die Zeit wie im Flug. Also, noch einmal 5 - 20 Minuten.

Spätestens am nächsten Morgen, wird auch der Grauschleier von dem Objekt entfernt. Noch einmal gereinigt und poliert. 

Nachdem das Objekt jetzt fertig ist, hört für mich der Spaß auf und der Ernst beginnt. Es muss fotografiert und im e-shop eingestellt werden. Der passende Beschreibungstext muss her und natürlich auch SEO, damit ich auch gefunden werde. Das "Marketing" wird angekurbelt und in den sozialen Netzwerken wird auf die Nachrichten geantwortet. Im Lädchen wird das neue Produkt präsentiert.

Natürlich darf auch die Steuer nicht zu kurz kommen. Buchhaltung und Schriftverkehr wird erledigt, Materialeinkauf nicht zu vergessen. 

Ich glaube, jetzt habe ich Einzelkämpfer alles, im Großen und Ganzen, zusammen.

Und, somit komme ich auf meine Ausgangsfrage zurück: Ja, ich muss wohl verrückt sein.

DENN DAS IST HANDARBEIT